«Die Architektur ist immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft».

«Die Architektur ist immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft».
30 novembre 2017, Alexander Muhm Im Gespräch mit Roger Boltshauser

«Die Architektur ist immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft»


Areale an zentralen Standorten wie die Europaallee mitten in Zürich, stellen hohe Anforderungen an Architektur und Städtebau. Dieser Herausforderung haben sich u.a. Boltshauser Architekten gestellt und eine gelungene städtebauliche Lösung für das Baufeld F der Europaallee in Zürich geschaffen. Ein Interview mit Roger Boltshauser zu guten Architektur-Entwürfen, Smart Cities und den Städten der Zukunft.

Wie würdest Du die Baukultur in der Schweiz beschreiben?

Die Baukultur der Schweiz befindet sich auf einem äusserst hohen Niveau. Das Wettbewerbswesen spielt dabei – neben den ausnehmend guten Ausbildungsmöglichkeiten in der Schweiz – eine überaus wichtige Rolle. Immer wieder haben dadurch auch jüngere Büros ohne entsprechende Referenzen die Möglichkeit, den Zuschlag für wichtige Bauaufgaben zu bekommen. Es wundert daher nicht, dass es in der Schweiz im Verhältnis zu anderen Ländern viele ausserordentlich gute und auch international erfolgreiche Architekturbüros gibt.

Was bedeutet SBB Immobilien für euch und welche Rolle hat SBB Immobilien als Projektentwickler in der Schweiz?

SBB Immobilien ist ein sehr wichtiger Projektentwickler in der Schweiz. Dies nicht nur auf Grund der Grösse ihres Portfolios, sondern vor allem auch wegen der an neuralgischen Orten zu entwickelnden Grundstücke. Sie sind oft in Bahnhofsnähe und für die jeweiligen Städte und Gemeinden und deren Entwicklung von hoher Relevanz. Die Fragen zur verträglichen Dichte, zur angemessenen Nutzung und zur architektonischen Qualität stehen im Vordergrund. Die Bauten der SBB sind fast immer ortsprägend und identitätsstiftend für den jeweiligen Kontext. SBB Immobilien kommt bei der Entwicklung ihrer Grundstücke eine überaus hohe gesellschaftliche Verantwortung zu.

Worin unterscheiden sich eure Entwürfe von den anderen Architekten?

Seine eigenen Entwürfe mit denjenigen von anderen zu vergleichen, ist immer etwas schwierig, das sollen besser andere machen! Generell interessieren uns städtebaulich anspruchsvolle Orte mit komplexer Nutzung in sensiblen Kontexten, wo spezifische Antworten gefragt sind.

Wie entsteht ein „guter“ (Ent)Wurf?

Ein guter Entwurf kann dann entstehen, wenn die Rahmenbedingungen es zulassen. Dazu gehört zuerst ein guter Bauherr. Im Falle eines Wettbewerbs ist eine gute Vorbereitung zwingend. Ist das geforderte Programm und das daraus resultierende Volumen ortsverträglich möglich? Ist genügend Spielraum für eine Varianz an Lösungsvorschlägen für die Architektenteams vorhanden? Ist die Nutzung dem Ort zuträglich und eine nachhaltige Entwicklung dadurch möglich? Nicht zuletzt erfordert ein guter Entwurf seitens der Bauherrschaft auch das Verständnis für gute Architektur und deren Umsetzung. Generell bin ich der Meinung, dass die Qualität der Entwürfe und der Umsetzung immer so gut ist, wie unsere Gesellschaft dies zulässt. Die Architektur ist in diesem Sinne immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Worin besteht der Mehrwert bei Projekten auf oder in der Nähe von Bahnhofsarealen?

Der Mehrwert von Arealen in Bahnhofsnähe besteht in der hohen Erschliessungsgunst und der dadurch guten Erreichbarkeit. Bauten in Bahnhofsnähe sind in diesem Sinne per se nachhaltig und oft auch die Orte, wo eine angemessene Dichte sinnvoll ist.

Wodurch entsteht Stadt und was benötigen die (Schweizer) Städte der Zukunft?

Eine hohe Erschliessung – vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln – ist ein wichtiger Faktor, um ein Stück Stadt entstehen zu lassen. Es gibt aber noch einige andere Aspekte, die beachtet werden müssen, wenn es um Fragen der Urbanisierung geht, beispielsweise eine gute Nutzungsmischung. In Städten soll in einem guten Verhältnis gewohnt wie auch gearbeitet werden können. Wichtig ist auch das Vorhandensein von öffentlichen Anlagen wie Plätzen und Grünräumen, denn Dichte allein macht keine gute Stadt aus. Die Schweiz steht heute vor der Frage, ob sie weiter die Zersiedelung zulassen möchte oder ob es ihr gelingt, klare Grenzen zwischen Stadt und Land zu etablieren.

«Smart City»- für Dich nur ein Schlagwort?

Schon in unserem Stadtentwurf für rund 450'000 Einwohner und fast genau so viele Arbeitsplätze, welchen wir mit der Gruppe Krokodil für die «Glatt Stadt» 2010 entworfen hatten, haben wir uns mit Themen der «Smart City» befasst. Wir haben ein neues Erschliessungssystem in Zusammenhang mit einem von erneuerbaren Energiequellen gespeistes Energienetz entwickelt. Das Energienetz ermöglichte zwischen den einzelnen Nutzungen einen Energietransfer. Nutzungen wie zum Beispiel Gewerbe oder Einkaufszentren, die einen Wärmeüberschuss produzieren, könnten andere mit einem erhöhten Bedarf, die Wohnnutzung beispielsweise, mit Wärme versorgen. Das Energiekonzept war derart effizient, dass ein Überschuss an Energie produziert werden konnte, womit auch die Nachbargemeinden mit Energie versorgt würden. Wichtig war für uns die Erkenntnis, dass die Fragen der Energie nicht beim einzelnen Objekt gelöst werden können, sondern erst im Verbund die nötige Effizienz erreicht wird.

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Roger Boltshauser
Roger Boltshauser
Titulaire d’un diplôme d’architecte EPF BSA SIA, Roger Boltshauser dirige depuis 1996 le bureau d’architecture Boltshauser Architekten AG à Zurich. Outre ses activités courantes, Roger Boltshauser s’engage dans l’apprentissage, est membre de la commission des travaux de la ville de Lucerne et siège au sein du Conseil d’administration de la Schweizer Baumuster-Centrale Zürich. Il a déjà exercé les fonctions d’enseignant à l’EPF de Zurich, à la Haute école de technique et d’économie de Coire, à l’Institute of Architecture de Coire (CIA) et à l’EPFL de Lausanne. Depuis 2017, il est professeur invité à l’Université technique de Munich.

Interviewt von

Alexander Muhm
Alexander Muhm
Alexander Muhm est responsable CFF Immobilier et membre de la Direction du groupe depuis janvier 2019. Architecte diplômé et docteur en sciences techniques de l’Université de technologie de Vienne, il a d’abord travaillé dans diverses équipes de planification au sein de plusieurs entreprises en Autriche. Il s’est ensuite spécialisé dans la gestion de projet avant de rejoindre les CFF en 2009.
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