Wohnen und Arbeiten am Zürcher Schienenmeer.

Wohnen und Arbeiten am Zürcher Schienenmeer.
3 août 2017, Alexander Muhm

Wohnen und Arbeiten am Zürcher Schienenmeer.

Der erste Spatenstich ist erfolgt: Direkt beim Zürich Hauptbahnhof haben die Bauarbeiten für die Überbauungen Gleisarena und Gleistribüne begonnen. Im Herzen von Zürich entstehen zwei attraktive Bürogebäude mit Landmark-Charakter und eine Wohnüberbauung mit insgesamt drei Häusern. Alle bieten einem einzigartigen Logenplatz mit Blick auf die Gleise und den Zugverkehr. In separaten Architekturwettbewerben – jeweils für Wohnen und den Dienstleistungsbereich – wurden zwei Konzepte ermittelt, die sich optimal in das bestehende Quartier integrieren und dem Kreis 5 ein neues Gesicht zum Gleisfeld verleihen werden.

Was sagen die Architekten?

Natürlich waren beim ersten Spatenstich auch die Architekten mit dabei – für die Gleisarena ist das Genfer Architektenteam Made in Sàrl verantwortlich, für die Gleistribüne Esch Sintzel Architekten aus Zürich. Mit beiden konnte ich mich unterhalten und sie nach Herausforderungen, Eindrücken und Erwartungen fragen.

Eine herausfordernde Fassade

Auf die Frage nach der grössten Herausforderung beim Projekt HB Nord nennt François Charbonnet von Made in Sàrl klar die besonders gewölbte Fassadengestaltung der Gleisarena. Die beiden neuen Bürogebäude der Gleisarena am Zürich Hauptbahnhof werden ja über dem Tiefbahnhof Museumstrasse direkt am Perron 18 errichtet. Formal orientiert sich das bauliche Ensemble an der Bahnhofsarchitektur und schafft unter seiner gewölbten Fassade entlang des Gleisfelds einen überhöhten Aussenraum.

«Da die Fassade nach Süden orientiert ist, wäre bei einer so grossen Glasfläche die Gefahr einer Überhitzung sehr stark gewesen», erklärte François Charbonnet. Deshalb habe man sich für spezielle Glasbausteine entschieden, die extra für das Projekt entwickelt werden mussten, weil es sie – wärmegedämmt – so nicht auf dem Markt gab. Die Bausteine bieten dank ihrer Kleinteiligkeit jetzt sogar einen Sonnenschutz und sorgen für ein angenehmes Klima im Inneren.

Herausforderung Gestaltungsplan

Für Philipp Esch von Esch Sintzel Architekten stellte zum einen «der Gestaltungsplan der Gleistribüne mit seinen engen Vorgaben» eine besondere Herausforderung dar, die gemeistert werden musste. Zum anderen «war es schon ungewöhnlich, ein Gebäudeensemble zu planen, das sich auf eine so grosse Fläche hin ausrichtet und quasi an einem Schienenmeer liegt».

Vorbild ist die Umgestaltung der Seeufer

So wie im 19. Jahrhundert die Seeufer zu Promenaden, Parks und Plätzen umgewandelt wurden, so wird nach dem Entwurf der beiden Architekten nun das Gleisfeld als privilegierte Lage erkannt und entsprechend genutzt. Zentral gelegen und mit einer weiten Sicht auf die grösste Freifläche der Stadt, entstehen insgesamt drei Wohngebäude mit 139 Wohnungen, acht Verkaufsflächen, vier Gewerbeflächen und ein Gastronomiebetrieb mit Terrasse.

Das Areal begeistert Philipp Esch auch persönlich. «Die Wohngebäude sind ja so gestaltet, dass sie nicht nur nach Süden und Westen möglichst grosse Blickfelder zum Gleisraum freigeben, sondern sich auch zur Strassenseite in das organisch gewachsene Gewebe des Kreis 5 einfügen. Hier würde ich auch gerne wohnen, zumal man fast alles zu Fuss erledigen kann».

Und wie finden die beiden Architekten eigentlich das jeweils andere Projekt?

Philipp Esch gefällt an dem Gleisarena-Konzept, wie die Kollegen alle «gestalterischen Spielräume genutzt haben und wie das Gebäude einen breiten Raum öffnet». Und François Charbonnet findet, dass die beiden – Gleisarena und Gleistribüne – «ein spannendes Gespräch miteinander führen, weil sie so unterschiedlich sind». Aber so richtig mit Leben füllen werden es ja erst die Mieter und Bewohner, «darum», so der Planer, «freue ich mich jetzt am meisten darauf, dass nun endlich gebaut wird».

 

Philipp EschPhilipp Esch, *1968, Architekturstudium in Zürich und Ahmadabad, führt zusammen mit Stephan Sintzel seit 2008 das Architekturbüro Esch Sintzel Architekten in Zürich mit Schwerpunkt Wohnungsbau.

 

François ChabonnetFrançois Charbonnet, *1972, Architekturstudium an ETH Zürich,  führt zusammen mit Patrick Heiz seit 2003 das Architekturbüro Made in in Genf und war als Dozent und Gastprofessor tätig, u.a. EPF Lausanne, ETH Zürich, Accademia di Archittetura Mendrisio.

 

Partager l’article

Alexander Muhm
Alexander Muhm
Alexander Muhm est responsable CFF Immobilier et membre de la Direction du groupe depuis janvier 2019. Architecte diplômé et docteur en sciences techniques de l’Université de technologie de Vienne, il a d’abord travaillé dans diverses équipes de planification au sein de plusieurs entreprises en Autriche. Il s’est ensuite spécialisé dans la gestion de projet avant de rejoindre les CFF en 2009.
Profil de l'auteur
Profil de l'auteur

Commentaires

Veuillez saisir un commentaire

Votre adresse e-mail ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués par un *.
Les champs «E-mail» et «Confirmer e-mail» doivent être identiques.
Champs obligatoires*